Scott Kirby, CEO von United Airlines, hat öffentlich die Machbarkeit des Einsatzes elektrischer vertikal startender und landender Flugzeuge (eVTOL) in der Nähe großer Flughäfen in Frage gestellt und damit eine Zusage von über 1 Milliarde US-Dollar für Archer Aviation im Jahr 2021 rückgängig gemacht. Kirby nannte den überfüllten Luftraum und Sicherheitsbedenken und verwies als warnendes Beispiel auf einen kürzlich erfolgten Hubschrauberzusammenstoß in Washington D.C. Er räumte zwar ein, dass eVTOLs auch in anderen Zusammenhängen nützlich sein könnten, beispielsweise auf bestehenden Hubschrauberrouten, äußerte jedoch Zweifel an ihrer sicheren Integration in überlastete Lufträume ohne Betriebsunterbrechungen.
Der Strategiewechsel
Diese Kehrtwende stellt eine bedeutende Veränderung gegenüber der früheren Begeisterung von United für Flugtaxis dar, die teilweise auf das politische Klima des Jahres 2021 zurückzuführen ist, als die Unterstützung „grüner“ Initiativen strategisch vorteilhaft war. Kirby stellt das Problem nun als rein logistisches Problem dar, aber der Zeitpunkt deutet darauf hin, dass umfassendere Faktoren eine Rolle spielen. Flugverkehrsdaten zeigen, dass der Luftraum von New York, ein wichtiges Ziel für den Einsatz von eVTOL, derzeit nicht wesentlich überlasteter ist als im Jahr 2019 – ein Punkt, den United bei der ersten Auftragserteilung anerkannt hat.
Die FAA-Zertifizierungshürde
Der langsame und strenge Zertifizierungsprozess der FAA für eVTOLs verkompliziert den Zeitplan zusätzlich. Archer Aviation und Joby Aviation halten zwar jeweils über 2 Milliarden US-Dollar an Barmitteln, stehen jedoch vor regulatorischen Hürden, die den kommerziellen Betrieb verzögern könnten. Unterdessen kämpft Vertical Aerospace mit der finanziellen Stabilität, was es möglicherweise zu einem Ziel einer Übernahme durch Archer macht. Trotz dieser Herausforderungen hat Joby Aviation kürzlich FAA-konforme Testflüge abgeschlossen und damit Fortschritte auf dem Weg zum realen Einsatz signalisiert.
Jenseits von Lufttaxis: Der Aufstieg elektrischer Starrflügler
Kirbys Kommentare lassen Zweifel an der Praktikabilität von eVTOLs für die Versorgung großer Drehkreuze aufkommen. Elektrische Starrflügelflugzeuge, die die vorhandene Flughafeninfrastruktur nutzen und näher an der Teil-23-Zertifizierung liegen, könnten jedoch eine praktikablere Alternative darstellen. Diese Flugzeuge eignen sich hervorragend für Frachttransporte, medizinische Transporte und regionale Strecken und machen kostspielige Vertiports überflüssig.
Ein Muster des Ehrgeizes
Der Flugtaxi-Auftrag von United folgt einem Muster ehrgeiziger, aber letztendlich nicht realisierter Verpflichtungen, einschließlich früherer Investitionen in Überschallflugzeuge. Dies wirft die Frage auf, ob diese Anordnungen eher als Gesten der Öffentlichkeitsarbeit denn als echte Geschäftsstrategien dienen.
Letztendlich ist die eVTOL-Technologie zwar vielversprechend, ihre kurzfristige Realisierbarkeit für den städtischen Flugverkehr mit hoher Dichte bleibt jedoch ungewiss. Die Branche steht vor regulatorischen, logistischen und finanziellen Herausforderungen, die einen Wandel hin zu pragmatischeren Lösungen erzwingen könnten.
