Berichten zufolge hat Scott Kirby, CEO von United Airlines, den Aufsichtsbehörden einen radikalen Vorschlag unterbreitet, der in der Luftfahrtbranche für Aufsehen gesorgt hat: die Übernahme von American Airlines.

Während der Luftfahrtsektor an Konsolidierungen gewöhnt ist, würde diese spezifische Paarung eine der massivsten Veränderungen in der Geschichte des Inlandsreiseverkehrs darstellen. Der Vorschlag kommt zu einer Zeit wechselnder politischer Winde, nachdem sich Verkehrsminister Sean Duffy zum Potenzial für „große Deals“ unter der aktuellen Regierung geäußert hatte.

Strategische Gewinne vs. Marktbeherrschung

Für United Airlines wäre eine Übernahme von American eine transformative strategische Meisterleistung. Der Zusammenschluss würde mehrere wichtige geografische und wettbewerbsbezogene Herausforderungen lösen:

  • New York-Expansion: Stärkung der Präsenz von United auf dem äußerst lukrativen New Yorker Markt.
  • Dominanz an der Westküste: Etablierung von United als führender Fluggesellschaft in Los Angeles.
  • Southeast Foothold: Bereitstellung eines dringend benötigten etablierten Hubs im Südosten der USA.

Allerdings sind diese Vorteile im Hinblick auf die Marktkonzentration mit einem hohen Preis verbunden. Ein kombiniertes amerikanisch-amerikanisches Unternehmen würde mehr als ein Drittel des inländischen Fluglinienmarktes kontrollieren und damit ein Maß an Dominanz schaffen, das traditionell eine intensive behördliche Kontrolle auslöst.

Die Antitrust Wall: Rechtliche und regulatorische Hürden

Bei einer üblichen kartellrechtlichen Analyse würde ein Zusammenschluss dieser Größenordnung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit blockiert werden. Die Hauptsorgen betreffen die „extreme Wettbewerbskonzentration“ in großen Drehkreuzen wie Chicago und Los Angeles.

Um sich in diesen Gewässern zurechtzufinden, könnten die Fluggesellschaften eine „Carve-out“-Strategie versuchen – den Verkauf bestimmter Vermögenswerte oder Strecken, um den Regulierungsbehörden gerecht zu werden. Wir haben in der Vergangenheit ähnliche Versuche gesehen, wie zum Beispiel die geplante Gründung von „DC Air“ während der Fusionsära von United und US Airways, obwohl diese Geschäfte aufgrund wirtschaftlicher Veränderungen und Wettbewerbsbedenken oft scheiterten.

Selbst wenn das Justizministerium (DOJ) dem Deal zustimmen sollte, bleibt der rechtliche Weg tückisch:

  1. Rechtsstreitigkeiten auf Landesebene: Jede Landesregierung kann gemäß dem Clayton Act klagen, um eine Fusion zu blockieren, um ihre Einwohner zu schützen.
  2. Privatklagen: Wettbewerber, Lieferanten, Gewerkschaften und sogar Kunden könnten Klagen einreichen, wenn sie eine „Kartellrechtsverletzung“ nachweisen können.
  3. Auswirkungen auf den Verbraucher: Regulierungsbehörden wägen in der Regel ab, ob eine Konsolidierung dem Verbraucher schadet. In der Luftfahrt geht es nicht nur um Ticketpreise; Dazu gehören die Servicequalität und der Wert von Vielfliegerprogrammen.

Eine sich verändernde Landschaft für M&A

Laut Mike Leskinen, CFO von United Airlines, befindet sich die Branche derzeit in einem „einzigartigen Umfeld“, in dem Fusionen und Übernahmen (M&A) möglicherweise besser möglich sind als in den Vorjahren. Die jüngste Blockierung der JetBlue-Spirit-Fusion durch die Biden-Regierung erinnert daran, wie volatil das regulatorische Klima sein kann.

Der Vorschlag einer amerikanisch-amerikanischen Fusion ist unbestreitbar mutig. Es stellt die persönliche Geschichte von Scott Kirby – der zuvor Präsident von American Airlines war – den starren Rahmen des Kartellrechts gegenüber.

Während die strategische Logik für United klar ist, machen die rechtlichen und wettbewerbsbedingten Hindernisse dies zu einem der ehrgeizigsten und umstrittensten Vorschläge, die es je in der Luftfahrtbranche gegeben hat.

Schlussfolgerung
Eine Fusion zwischen United und American Airlines würde die Landkarte der inländischen Luftfahrt grundlegend verändern und United enorme strategische Vorteile verschaffen, während es gleichzeitig mit einer Vielzahl bundesstaatlicher, bundesstaatlicher und privater rechtlicher Herausforderungen konfrontiert wäre. Ob solch eine „große Sache“ die moderne kartellrechtliche Prüfung überstehen kann, bleibt die größte unbeantwortete Frage der Branche.