München gilt als Deutschlands Freizeithauptstadt. Einheimische werden Ihnen sagen, dass die Stadt selbst alles bietet, was Sie brauchen. Sie können ein Fahrrad mieten. Du kannst skaten. Mit einem Liter Bier kann man im Englischen Garten unter einer Kastanie sitzen. Aber irgendwann. Du willst immer mehr. Die Anziehungskraft aufs Land ist stark. Es ist unvermeidlich.

Flucht an den Starnberger See

Wenn Sie die Zersiedelung verlassen möchten, gehen Sie nach Süden. Dort liegt das Gute. Gebirge. Seen. Schlösser. Die Richtung ist klar. Die Möglichkeiten sind endlos. Für einen schnellen Neustart ist der Starnberger See die Antwort.

Es ist nah. Eine halbstündige Fahrt bringt Sie an die Nordküste. Mit der S-Bahn geht es schneller und entspannter. Sie können Ihr Fahrrad mitbringen. Der See ist 27 Kilometer lang und fünf Kilometer breit. Es ist groß genug, um sich riesig anzufühlen, aber klein genug, um es zu umkreisen, wenn Sie fit sind. Die meisten Leute suchen sich einfach einen Platz aus.

Wo man sitzt und schwimmt

Luxussuchende begeben sich an die Starnberger Seepromenade. Setzen Sie sich auf die Holzterrasse von Undosa. Beobachten Sie die Boote. Es ist teuer. Es ist vornehm. Es funktioniert.

Bevorzugen Sie Tradition? Fahren oder radeln Sie nach Ambach ans Ostufer. Iss Fisch. Das Gasthaus zum Fischmeister serviert raffinierte Gerichte, die den Ausflug rechtfertigen. In der Nähe finden Sie ausgewiesene Erholungsgebiete. Die Aussicht auf die Alpen ist konstant. Sie werden nie alt.

Geschichte und Rosen

Possenhofen am Westufer bietet eine andere Atmosphäre. Kultur. Geschichte. Kaiserin Elisabeth von Österreich, bekannt als Sissi, verbrachte hier ihre Sommer. Ihr Palast liegt zehn Minuten vom Ufer entfernt. Sie können vom Ufer aus zu Fuß zur historischen Stätte laufen. Direkt unterhalb des Schlosses befindet sich die Badestelle „Das Paradies“. Der Name ist Programm.

Etwas weiter südlich, etwa dreißig Minuten entfernt, liegt die Roseninsel. Die Insel der Rosen. Hier traf Sissi König Ludwig II. Die Umgebung ist romantisch. Die Geschichte ist schwer.

Für etwas ganz anderes fahren Sie nach Bernried. Das Buchheim Museum der Phantasie liegt direkt im Park am See. Es beherbergt die expressionistische Sammlung von Günther Buchheim. Die Exponate wechseln. Der Park nicht.

Warum nach Süden gehen?

Warum verlassen Menschen München? Weil die Stadt laut ist. Der Süden ist ruhig. Das Wasser kühlt Sie ab. Die Luft ist sauberer. Sie gehen mit einem Gefühl von Weite. Sie kommen mit Geschichten zurück.

Die Logistik ist einfach. Nehmen Sie den Zug. Mieten Sie ein Fahrrad. Gehen. Die Infrastruktur ist dafür aufgebaut. Es ist keine Wanderung ins Unbekannte. Es ist ein kurzer Sprung.

Welche Route wählen Sie? Die Luxuspromenade? Das historische Schloss? Oder die Roseninsel? Dem See ist das egal. Es wartet einfach.

Verzichten Sie eine Stunde lang auf die Museen. Tauschen Sie die Galeriewände gegen Bergluft. Wenn Ihre Seele von der Hochkultur müde ist, fahren Sie nach Westen in Richtung Ammersee. Das Ziel ist nicht nur ein See; es ist Andechs.

Dies ist der „Heilige Berg“ Bayerns. Es handelt sich um eine Benediktinerabtei, den ältesten Wallfahrtsort des Staates und die wohl beste Brauerei der Region – alles in einem steilen Anstieg.

Der Aufstieg und das Handwerk

Den Gipfel erreicht man nicht durch Zauberei. Sie gelangen dorthin, indem Sie zu Fuß gehen. Der Weg nach oben ist gut markiert, aber anspruchsvoll. Erwarten Sie eine solide Wanderung, wenn Sie nicht an Höhenunterschiede gewöhnt sind. Die Auszahlung erfolgt jedoch sofort, sobald Sie die Klostertore passieren.

Die Architektur ist barocke Perfektion. Weiße Wände vor blauem Himmel. Goldene Akzente fangen die Sonne ein. Der eigentliche Anziehungspunkt für die meisten Besucher sind jedoch nicht die Glasmalereien. Es ist das Bier.

In der Klosterbrauerei Andechs wird seit dem 15. Jahrhundert gebraut. Das Bier ist reichhaltig, dunkel und stark malzig. Es schmeckt nach Geschichte. Sie können die Einrichtungen besichtigen, wenn Sie im Voraus buchen, aber das eigentliche Erlebnis findet im Biergarten unten statt.

Die Andechser Bräustüberl-Regeln

Hier ist der Trick. Die Regeln hier sind uralt und werden mit einem Lächeln durchgesetzt.

Bringen Sie Ihr eigenes Brot und Snacks mit.

Es heißt Brotzeit. Sie tragen Ihr eigenes Essen. Da kauft man es nicht. Sie kaufen das Bier vom Fass. Eine Maß oder ein Liter dieses dunklen, samtigen Lagerbiers liegt schwer in einem Glaskrug. Es passt perfekt zu jedem Käse, jeder Wurst oder jedem Brot, das Sie den Hügel hinaufgeschleppt haben.

Wenn Sie Ihren Warenkorb vergessen haben? Keine Panik. Die Küche serviert warme und kalte Schmankerl (Köstlichkeiten). Sie haben Essen. Aber das Ritual der Brotzeit macht einen Teil des Charmes aus. Es verlangsamt dich. Es zwingt einen zum Sitzen.

Sonntags gibt es bei schönem Wetter Blasmusik. Blasmusi. Live-Bands spielen traditionelle Melodien. Der Ton dringt von der Terrasse herab. Es handelt sich nicht um Hintergrundgeräusche. Es ist ein Ereignis.

Die Aussicht: Dach der Republik

Sobald Sie gefüttert und getränkt sind, schauen Sie nach oben. Oder noch besser, klettern Sie weiter.

Das Kloster liegt auf einem Bergrücken, der einen Panoramablick auf die Alpen bietet. Das Wettersteingebirge ragt deutlich am Horizont hervor. An klaren Tagen ist die Zugspitze, Deutschlands höchster Gipfel, sichtbar. Deshalb nennen die Leute es das „Dach der Republik“.

Die Wolken sitzen oft unter dir. Sie fühlen sich von der gewöhnlichen Welt losgelöst. Die Luft ist hier dünner. Kälter.

Praktische Logistik für den Reisenden

  • Anreise: Fahren Sie mit der S-Bahn von München bis zum Bahnhof Herrsching oder Andechs. Von dort aus sind es noch 20 bis 30 Minuten zu Fuß bergauf. Fahren Sie nicht, wenn Sie trinken möchten. Die Parkmöglichkeiten sind begrenzt und weit vom Biergarten entfernt.
  • Kosten: Bier ist für Deutschland teuer. Rechnen Sie mit einem Preis von 4,50–6,00 € pro Maß. Lebensmittel, die dort gekauft werden, sind teuer, aber von hoher Qualität. Bringen Sie Snacks mit, um die Kosten niedrig zu halten.
  • Zeitpunkt:

Jenseits der Zugspitze: Höhenblicke und Alpenzugang

Wem der Heilige Berg zu bescheiden vorkommt, für den ist Deutschlands höchster Punkt nur einen Katzensprung entfernt. Die Zugspitze liegt auf 2.962 Metern. Es ist das Dach des Landes. Die meisten Münchner kommen nicht an einem beliebigen Dienstag hierher. Sie betrachten es nur dann als Wochenendausflug, wenn das Wetter klar ist. Für Besucher ist es obligatorisch. Sie können es an drei Tagen wandern. Oder nehmen Sie die Gondel, wenn Sie Höhen nicht mögen. Auch die Zahnradbahn funktioniert. Sie verläuft durch Tunnel, bietet aber einen tollen Ausblick auf den smaragdgrünen Eibsee. Der Aussichtspunkt in Gipfelnähe bietet ein atemberaubendes Panorama. Wer ohne Höhenmeter wandern möchte, probiert stattdessen den Hausberge Wank oder den Eckbauer. Auch Krimi-Fans, die Spaß an schwarzem Humor haben, sollten die in Garmisch spielenden Romane von Jörg Maurer lesen. Sie fangen die unheimliche Atmosphäre des Resorts perfekt ein.

So erreichen Sie Garmisch und Linderhof

Hier kommt es auf die Transportlogistik an. Nehmen Sie den Zug vom München Hauptbahnhof nach Garmisch. Es dauert neunzig Minuten. Das Fahren ist schneller. Das spart etwa dreißig Minuten. Aber nur, wenn Sie den Verkehr meiden. Alle denken gleichzeitig an Oberau. Die Staus sind vorhersehbar. Gehen Sie früh los. Kommen Sie früh zurück. Oder bleiben Sie zum Abendessen. Warten Sie die Hauptverkehrszeit ab, bevor Sie in die Stadt zurückkehren. Wenn Sie mit dem Auto anreisen, halten Sie am König-Ludwig-Schloss Linderhof in Ettal. Es ist ein lohnenswerter Umweg.

Tegernsee, Schliersee und die Wendelsteinroute

Die nächste Etappe der Reise umfasst zwei Seen und einen großen Gipfel. Nehmen Sie die A8 Richtung Salzburg. Anschließend geht es quer durchs Land zum Tegernsee, Schliersee und Wendelstein. Alternativ nutzen Sie die BOB (Bayerische Oberland-Bahn). Es stoppt an jedem wichtigen Ort. Sobald Sie dort angekommen sind, lassen Sie die Landschaft Ihr Tempo bestimmen.

Ernsthafte Läufer umrunden den Schliersee. Wanderer steigen zur Schliersbergalm auf. Von Rottach-Egern geht es über den Tegernsee zur Moni-Alm. Mountainbiker haben endlose Routen, um Energie zu verbrennen.

Für einen sanfteren Aufstieg fahren Sie mit der Seilbahn auf den Wendelstein. Die Einheimischen nennen es „Haltestelle zum Bayernhimmel“. Es ist ein passender Name. Oben befindet sich ein Observatorium. Das gilt auch für eine Wetterstation. Ein Geopark zeichnet auf vier Wegen 250 Millionen Jahre Erdgeschichte nach. Stellen Sie sich den Wendelstein als Korallenriff vor der Küste Nordafrikas vor. Die Geologie unterscheidet sich stark von dem, was Sie heute sehen.

Autofahrer oder konditionsstarke Radfahrer können die Passstraße zum Spitzingsee in Angriff nehmen. Von dort aus wandern oder reiten Sie ins Valepptal. Stoppen Sie am historischen Forsthaus Valepp. Bestellen Sie Wild, Reh oder Gämse aus dem örtlichen Reservat. Das Spiel ist frisch. Der Geschmack ist intensiv.

Wer lieber unterhalb der Gipfel bleibt und trotzdem Lust auf Bergluft hat, lässt den Tag im Café Winklstüberl in Fischbachau ausklingen. Die Kaffeemaschinensammlung umfasst mehr als 600 Einheiten. Die Kuchentheke ist legendär. Die Scheiben sind riesig.

Das Motto für eine Flucht aus München ist einfach: Seeluft schnuppern, Stiefel schnüren, Berge genießen und gut essen.

Mit diesem Plan können Sie nichts falsch machen. Bayern mögen viele Stereotypen haben. Aber sie wissen, wie man das Leben genießt. Fast genauso gut wie Italiener mit ihrem Dolce Vita.